Die kulturelle Übersetzung

Kann man jeden Inhalt in jede beliebige Sprache übersetzen? Oder gibt es kulturelle Stereotypen, die nicht unbedingt für alle Kulturen verständlich sind, selbst wenn man sie in der anderen Sprache ausführlich beschreibt oder umschreibt? Was ist für eine originaltreue und richtige Übersetzung von einer Sprache/Kultur in eine andere Sprache/Kultur notwendig?

Theoretiker, Linguisten oder Philosophen widmen sich seit Jahrhunderten diesem Phänomen. Es bestehen verschiedene Ansätze und Prinzipien, allerdings gehen die Meinungen dabei zum Teil noch immer weit auseinander.

Prinzip der grundsätzlichen Übersetzbarkeit

Otto Kade und Roman Jakobson gehen vom Prinzip der grundsätzlichen Übersetzbarkeit aller Inhalte aus. Das heißt, dass mit jeder gegebenen Sprache jeder Inhalt aus einem Zeichen- und Sprachsystem in ein anderes übersetzt werden kann. Auch der amerikanische Linguist Leonard Bloomfield besagte in seiner These das gleiche Prinzip: „Whatever can be said in one language can doubtless be said in any other“.

Kulturstereotype sind nicht übersetzbar

Dem gegenüber stellen sich aber natürlich viele Theoretiker und Linguisten und behaupten vehement das Gegenteil. Nämlich, dass Übersetzungen auch immer kulturell sind und viele Beschreibungen und Szenen nicht problemlos von einer Sprache in eine andere übersetzt werden können. Beschreibt man beispielsweise in einem literarischen Werk einen Mann, der Kaffee trinkt, dann muss das in Amerika eine langwierige Szene von einem Mann sein, der mit Ruhe und Sorgfalt an einem Tisch im Café sitzt, während es im Italienischen lediglich ein bis zwei Minuten sind, in denen der Mann den Espresso kurz an der Bar stehend wegkippt und das Café gleich wieder verlässt. Für derartige Änderungen oder Umschreibungen muss man also auch die Kulturstandards kennen, die im Land der jeweiligen Zielsprache der Übersetzung gängig sind. So sind zum Beispiel auch die Übersetzungen von Redewendungen, Sprichwörtern und Wortspielen sehr schwierig, da sie immer von der jeweiligen Kultur abhängen und meist nur in einer Sprache verankert sind.

Ohne kulturelle Kenntnisse wird’s sinnlos

Übersetzer müssen also neben den Sprachkenntnissen zugleich in den Stereotypen und den Kulturstandards des jeweiligen Landes bewandert sein. Hierzu sind in letzter Zeit viele unterhaltsame Bücher veröffentlicht worden, die sich eben mit den kulturellen Besonderheiten von Ländern beschäftigen. Während Jan Weilers „Maria, ihm schmeckts nicht“ der Kassenschlager über das Wesen des Italieners an sich war, steht derzeit Stella Bettermanns „Ich trink Ouzo und was trinkst Du so?“ auf der Bestsellerliste und gibt alle Stereotype ihrer griechischen Familie zum Besten. Wenn man also etwas griechisch übersetzen muss, sollte man sich zuvor diese Buch zu Gemüte geführt haben.

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