Gibt es Esperanto eigentlich noch?
Fall sich jemand mit Sprachen beschäftigt, wird er sicher schon mal von der Plansprache Esperanto gehört haben. Sie ist eine Sprache, die nicht natürlich entstanden ist, sondern die gezielt von Sprachwissenschaftlern entwickelt wurde. Viele grammatikalischen Hürden anderer Sprachen wurden beseitigt, so ist zum Beispiel das fast überall unregelmäßige Verb “sein” im Esperanto regelmäßig konjugiert – und damit das Erlernen und Sprechen erleichtert.
Weltsprache Esperanto
Tatsächlich wird Esperanto auf der ganzen Welt gesprochen, jedoch wurde aus den Plänen es statt Englisch zu Weltsprache zu machen nichts. Die Sprache basiert hauptsächlich auf dem Spanischen und hätte damit gute Voraussetzungen gehabt, da außer Englisch auch Spanisch von sehr vielen Menschen auf der Welt bereits als Muttersprache gesprochen wird. Inzwischen gibt es immerhin noch den Esperanto Weltbund, der den Erhalt und die Weiterentwicklung der Sprache pflegt und noch viele Mitglieder hat.
Medien und Fachzeitschriften
Als Verkehrssprache konnte sich Esperanto nicht innerhalb einer Nation durchsetzen, wohl aber gibt es Fachverbände, die sich bevorzugt dieser Plansprache bedienen. Hauptsächlich wird es aber in der Esperanto-Literatur benutzt oder in der Esperanto-Musik, auch Radiosendungen und Spielfilme auf Esperanto gibt es in überraschend großer Menge. Anhand der Zahl von Texten auf Esperanto die im Internet auffindbar sind, kann man eine ungefähre Schätzung des Anteils der Sprache gegenüber allen Sprachen wagen. Die Ergebnisse setzten Esperanto irgendwo in die Nähe einer Stufe mit Litauisch oder Lettisch. In einer Rangliste von etwas 32 europäischen Sprachen würde man Esperanto relativ abgeschlagen auf dem 27. Platz wiederfinden. Die Fachverbände für Esperanto sind allerdings sehr aktiv, viele neue Vokabeln werden Jahr für Jahr hinzugefügt und sogar eine Sommer-Universität auf Esperanto gibt es. Für eine von Anfang an totgesagte Sprache ist die Lebensdauer von nunmehr fast 150 Jahren auf ein stolzes Alter angewachsen.
Guter und interessanter Beitrag, hier nur ein paar kleine Anmerkungen:
Esperanto gibt es seit 1887, es wurde von dem Augenarzt Dr. Zamenhof entwickelt und erlebte einen ersten Aufschwung Anfang des 20. Jahrhunderts. Englisch wurde erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts die führende Weltsprache. Gesprochenes Esperanto erinnert an Spanisch, Spanischsprecher können es tlw. unmittelbar verstehen. Ca. 60% der Wortwurzeln kommen aus romanischen Sprachen, liegen aber im Zweifel dichter an der französischen Version (Französisch war eben damals die führende Weltsprache).
Zurzeit geht man von ca. 2 Mio. Esperantosprechern weltweit aus. Esperantotreffen und andere Indikatoren weisen auf ein Wachstum von ca. 7% pro Jahr hin. Verbands- und Vereinsarbeit ist dabei eher stagnierend bis rückläufig (wie überall), aber das Internet beflügelt das Esperanto, weil es viel leichter ist, international Kontakte zu knüpfen und Esperanto real zu nutzen. In den wirtschaftlich aufstrebenden Regionen, Lateinamerika, Osteuropa und China wächst auch Esperanto.
Es bleibt also spannend.